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Wie groß sollte der Wassertank im Camper sein?

Christian Klug •
Wie groß sollte der Wassertank im Camper sein?

Wer hauptsächlich Wochenendtrips macht, regelmäßig Campingplätze nutzt und zu zweit reist, kommt mit einem Frischwassertank von 20 bis 80 Litern gut aus. Mehr brauchst du erst, wenn du mehrere Tage am Stück autark stehen (also ohne Wasseranschluss) oder an Bord duschen willst. Deine passende Größe rechnest du so: Liter pro Person und Tag × Personen × Tage ohne Nachfüllen + Reserve.

Wie viel Wasser braucht man im Camper pro Tag?

Bevor du über Tankgrößen nachdenkst, brauchst du deinen Tagesverbrauch. Die folgenden Werte sind grobe Richtwerte pro Person – der tatsächliche Verbrauch schwankt stark, je nachdem, wie sparsam du abwäschst und wie gründlich du dich wäschst.

WofürRichtwert pro Person und Tag
Trinkenca. 2–3 Liter
Kochen und Abwascheinige Liter
Zähneputzen, Hände, Katzenwäscheeinige Liter
Summe ohne Duschenca. 5–10 Liter
Kurze Camping-Duschezusätzlich deutlich über 10 Liter

Die Tabelle zeigt das Entscheidende: Ob du an Bord duschst, verändert deinen Wasserbedarf stärker als alles andere. Ohne Dusche kommt eine Person mit einem Eimer Wasser am Tag aus. Mit Dusche brauchst du schnell das Doppelte oder Dreifache.

Nimmst du Trinkwasser lieber in Flaschen mit, kannst du diesen Anteil aus der Rechnung streichen. Reist ein Hund mit, plane sein Wasser zusätzlich ein – gerade bei warmem Wetter.

Die Faustformel: So rechnest du deine Tankgröße aus

Tankgröße = Liter pro Person und Tag × Personen × Tage ohne Nachfüllen + ca. 20 % Reserve

„Tage ohne Nachfüllen“ ist der wichtigste Wert. Gemeint ist nicht die Länge deiner Reise, sondern die längste Strecke, in der du keine Wasserstelle anfährst. Auf Campingplätzen und an vielen Wohnmobil-Stellplätzen kannst du Frischwasser nachfüllen – wer dort regelmäßig steht, braucht viel weniger Tankvolumen, als er denkt.

Beispiel 1 – zu zweit, ohne Dusche, drei Tage frei stehen: 2 Personen × 7 Liter × 3 Tage = 42 Liter. Mit 20 % Reserve landest du bei rund 50 Litern.

Beispiel 2 – zu zweit, mit täglicher kurzer Dusche, drei Tage frei stehen: 2 Personen × (7 + 15 Liter) × 3 Tage = 132 Liter, mit Reserve über 150 Liter. Das passt in kaum einen Kastenwagen – und das Gewicht kommt noch dazu.

Rechne die Formel mit deinen eigenen Werten durch, bevor du einen Tank kaufst. Oft zeigt sich: Nicht der Tank ist zu klein, sondern der Plan, jeden Tag an Bord zu duschen, ist zu groß.

Welche Tankgröße passt zu welchem Reisestil?

Als grobe Orientierung, für zwei Personen:

ReisestilTypischer Frischwassertank
Wochenende, meist Campingplatzca. 20–40 Liter
Mehrere Tage frei stehen, ohne Duscheca. 50–80 Liter
Länger autark, mit Dusche an Bord80 Liter und mehr

In unseren Ausbau-Paketen sieht das so aus: Das Low-Budget-Paket hat 20 Liter Frischwasser, die Pakete „Normal“ und „Mit Dusche“ haben 80 Liter. Einen Warmwasserboiler gibt es nur im Paket mit Dusche. Damit sind die allermeisten Reisestile abgedeckt.

Gewicht: Jeder Liter Wasser wiegt ein Kilo

Ein Liter Wasser wiegt ziemlich genau ein Kilogramm. Ein voller 80-Liter-Tank bringt also rund 80 kg auf die Waage – plus das Gewicht von Tank, Pumpe und Leitungen. Dazu kommt das Wasser im Abwassertank. Das alles geht von deiner Zuladung ab, also dem Gewicht, das du zusätzlich zum leeren Fahrzeug laden darfst.

Ein Camper ist schneller überladen, als viele denken. Jede Batterie, jedes Möbelstück und jeder Liter Wasser zählen. Deshalb steht „Zu große Wassertanks verbauen“ als Fehler Nr. 4 auf unserer Liste der häufigsten Ausbau-Fehler – genauso wie Fehler Nr. 2, „Das Gesamtgewicht unterschätzen“. Mehr Wasser klingt praktisch, oft reichen kleinere Tanks aber völlig aus. Plane außerdem eine Reserve von 10–15 % der Zuladung ein.

Ein praktischer Vorteil: Du musst den Tank nicht immer voll fahren. Weißt du, dass am Ziel eine Wasserstelle ist, reicht ein Viertel – und das Abwasser leerst du vor der Abfahrt.

Wohin mit dem Tank?

Schwere Bauteile gehören möglichst tief und nahe an die Fahrzeugmitte (Fehler Nr. 13). Beim Wassertank heißt das: auf den Boden, möglichst zwischen den Achsen. Ein voller Tank im Heck hinter der Hinterachse belastet die Hinterachse zusätzlich und entlastet die Vorderachse – das spürst du beim Fahren und kann die zulässige Achslast (das maximale Gewicht pro Achse) überschreiten.

Abwassertank: Wie groß im Verhältnis zum Frischwasser?

Grauwasser ist das Abwasser aus Spüle und Dusche. Was du trinkst oder zum Kochen verwendest, landet nicht im Abwassertank – Wasser zum Abwaschen, Waschen und Duschen dagegen fast vollständig.

Daraus ergibt sich die Faustregel: Ohne Dusche darf der Abwassertank deutlich kleiner sein als der Frischwassertank. Mit Dusche sollte er größer ausfallen, weil fast jeder Liter aus der Dusche dort landet. Genau so sind unsere Pakete aufgebaut: Low Budget 20 Liter Frisch- und 20 Liter Abwasser, Normal 80 und 20 Liter, Mit Dusche 80 und 60 Liter.

Grauwasser entleerst du an Ver- und Entsorgungsstationen, nicht in der Natur. Auch ein fast voller Abwassertank ist Gewicht, das du mitfährst.

Befüllen, Material und Hygiene

Befüllen: Ein Einfüllstutzen ist eine Öffnung in der Außenwand, über die du den Tank direkt mit dem Schlauch befüllst. Das ist bequem, bedeutet aber ein Loch in der Karosserie, das dauerhaft dicht und gegen Rost geschützt sein muss. Ohne Stutzen füllst du den Tank von innen oder arbeitest mit Kanistern, die du an der Wasserstelle füllst und hineinträgst. Im Normal-Paket gehören Einfüllstutzen und Füllstandanzeige zur Ausstattung – mit Anzeige weißt du jederzeit, wie viel Wasser noch da ist.

Material: Tank, Schläuche und Leitungen sollten für Trinkwasser geeignet, also lebensmittelecht sein. Achte schon beim Kauf darauf – nachträglich tauschen kostet doppelt.

Hygiene: Wasser, das lange im Tank steht, besonders bei Wärme, wird nicht besser. Leere den Tank regelmäßig, fülle frisch nach und reinige ihn von Zeit zu Zeit. Dafür hilft eine Revisionsöffnung, also ein Deckel, durch den du ins Innere des Tanks kommst. Plane den Tank so ein, dass du an diese Öffnung später auch herankommst (Fehler Nr. 12: Wartungsmöglichkeiten einplanen). Vor einer längeren Standpause leerst du alles komplett und lässt es trocknen.

Frostschutz: Tank und Leitungen nach innen

Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus und kann Leitungen, Pumpe und Boiler beschädigen. Wenn du auch im Winter unterwegs bist, gehören Tank und Leitungen in den beheizten, gedämmten Innenraum. Ein unter dem Fahrzeugboden montierter Tank (unterflur) spart innen Platz, ist aber dem Frost direkt ausgesetzt.

Alle unsere Pakete haben eine Standheizung – damit bleibt der Innenraum auch bei Minusgraden frostfrei, solange die Heizung läuft. Steht der Camper im Winter ungenutzt, lässt du das gesamte System ab: Tank, Leitungen, Pumpe und gegebenenfalls Boiler.

Brauchst du wirklich eine Dusche?

Eine Dusche klingt verlockend. Aus über 300 Ausbauten wissen wir aber: Sie raubt enorm viel Platz und Gewicht, und viele nutzen sie nach der ersten Begeisterung kaum noch. Campingplätze haben oft die besseren Duschen.

Die Dusche zieht außerdem das ganze Wassersystem nach oben: größerer Frischwassertank, größerer Abwassertank, Warmwasserboiler. Überlege ehrlich, ob du wirklich täglich an Bord duschen musst – oder ob ein Waschbecken mit Wasserhahn für deinen Reisestil reicht.

Das kannst du selbst – das gehört in Profihände

Die gute Nachricht: Das Wassersystem gehört zu den Bereichen, die du als Selbstausbauer realistisch selbst umsetzen kannst.

Das kannst du selbst:

  • Bedarf berechnen: Die Faustformel oben kennt niemand besser als du – du weißt, wie du reist.
  • Tank und Komponenten auswählen: Größe, lebensmittelechtes Material, Revisionsöffnung, Füllstandanzeige ja oder nein.
  • Einbauort planen: tief, nah an der Fahrzeugmitte, gut erreichbar und im beheizten Bereich.
  • Leitungen verlegen: Kaltwasserleitungen von Tank über Pumpe zur Spüle sind mit Sorgfalt gut machbar.
  • Möbel um den Tank bauen: Unterkonstruktion und Verkleidung, mit Zugang zur Revisionsöffnung.
  • Dichtheit testen: System füllen und prüfen, bevor du alles verkleidest.

Das gehört in Profihände oder braucht besondere Sorgfalt:

  • Tankbefestigung: Ein voller Tank ist bei einem Unfall eine schwere Last, die sich nicht lösen darf. Die Befestigung muss am Fahrzeug sicher verankert sein – lass sie im Zweifel prüfen.
  • Einfüllstutzen in die Außenwand: Wie beim Fenstereinbau kann ein Messfehler zu Undichtigkeiten und Rost führen. Das ist Arbeit für einen Karosseriebetrieb.
  • Elektrische Anschlüsse: Pumpe, Füllstandanzeige und Boiler hängen an der Bordelektrik. Elektrik gehört in die Hände eines Elektrofachbetriebs – und Wasserleitungen sollten nie über oder direkt neben elektrischen Bauteilen verlaufen.
  • Warmwasserboiler: Er verbindet Wasser, Elektrik und oft die Heizung. Hier lohnt sich der Fachbetrieb.

Strebst du eine Wohnmobilzulassung an, besprich den Einbau vorab mit TÜV, DEKRA oder GTÜ. Mehr dazu in unserem Artikel zur Wohnmobil-Zulassung.

Checkliste

  • Tagesbedarf pro Person ehrlich geschätzt (mit oder ohne Dusche)
  • Längste Zeit ohne Nachfüllen festgelegt
  • Tankgröße mit der Faustformel berechnet, inklusive Reserve
  • Gewicht von vollem Frisch- und Abwassertank in die Zuladung eingerechnet
  • Einbauort tief und nahe der Fahrzeugmitte geplant
  • Abwassertank passend zum Frischwasser dimensioniert
  • Tank und Leitungen lebensmittelecht, Revisionsöffnung erreichbar
  • Tank und Leitungen im beheizten Bereich oder Winter-Entleerung eingeplant
  • Befüllung entschieden: Einfüllstutzen oder Kanister
  • Elektrische Anschlüsse und Befestigung mit Fachbetrieb abgestimmt

Häufige Fragen

Wie viel Liter Wasser braucht man im Camper pro Tag?

Als grobe Faustregel rund 5–10 Liter pro Person und Tag, wenn du nicht an Bord duschst. Darin stecken Trinken, Kochen, Abwasch und Katzenwäsche. Eine kurze Dusche kommt mit deutlich über 10 Litern pro Person hinzu.

Reichen 50 Liter Frischwasser für zwei Personen?

Ohne Dusche ja, für etwa drei Tage: Bei rund 7 Litern pro Person und Tag verbraucht ihr zu zweit etwa 14 Liter täglich. Wer zwischendurch nachfüllt, kommt mit 50 Litern auch länger hin.

Frischwassertank im Kastenwagen: innen oder unterflur?

Innen liegt der Tank im beheizten Bereich und ist vor Frost geschützt, kostet aber Platz im Möbelbau. Unterflur spart Platz, ist im Winter aber frostgefährdet. Wer auch bei Kälte reist, ist mit dem Tank innen meist besser bedient.

Wie groß sollte der Abwassertank sein?

Ohne Dusche darf er kleiner sein als der Frischwassertank, weil Trink- und Kochwasser nicht darin landet. Mit Dusche sollte er größer ausfallen. In unseren Paketen sind es 20 Liter ohne und 60 Liter mit Dusche.

Fazit

Ein guter Camper hat nicht den größten Tank, sondern den, der zu deinem Reiseverhalten passt. Rechne deinen Bedarf aus, denk an das Gewicht und entscheide ehrlich über die Dusche. Wenn du das Wassersystem nicht allein planen willst: Im Camper-Konzept für 299 € planen wir in vier Beratungen Elektrik, Wasser und Heizung gemeinsam mit dir – inklusive 3D-Grundriss sowie Gewichts- und Budgetplanung.


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